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Eric Bana: "Wo bleiben die leichten Stoffe?"

veröffentlicht: 23.01.06 - 12:31,
Autor: Leif Kramp
Bron: diepresse.com
Langs verstrekt: Patricia

Eric Bana German Interview
Hanns Zischler (rechts) und Eric Bana gehören
zur Besetzung von Steven Spielbergs "München".
Foto: teleschau/ TM / 2006
DREAMWORKS LLC. / Kurt Krieger

Obwohl er in Ang Lees "Hulk"-Verfilmung das grüne Männchen zu wuchtigen Überkräften führte, hat es den richtig großen Durchbruch für den Australier Eric Bana noch nicht gegeben. Das könnte jetzt mit "München" passieren, denn Steven Spielberg hat in seiner Hauptrolle auf den Schauspieler gesetzt, der hier differenziert zeigen darf, was er kann. Im Interview spricht der gut gelaunte Mime über schwierige Politik, deutsche Wurzeln und seine Familie, die ihm über alles geht.

Ihre Mutter kommt aus Deutschland. Wie viele deutsche Worte hat sie Ihnen beigebracht?
Es reicht nicht gerade für ein Interview. "Isch kann a bisserl, aber net zu viel." (lacht) Das reicht mir völlig. Meine Mutter kommt ursprünglich aus Viernheim bei Mannheim. Ich bin schon oft mit ihr und auch mal alleine durch die Lande gereist. Vor allem Bayern hat es mir angetan. Ich möchte noch viel mehr reisen durch dieses wunderschöne Fleckchen Erde.

Eines Ihrer Kinder heißt Klaus, ein typisch deutscher Name. Woher kommt's?
Wir nannten ihn nach dem Bruder meiner Mutter, mit dem wir eine sehr enge Beziehung hatten. Er nahm mich immer mit zum Football, als ich noch ein Kind war. Wir haben generell sehr viel Zeit miteinander verbracht. Außerdem ist er mein Pate. Als mein Sohn geboren wurde, war es ein sehr großes Kind. Da dachte ich: Das wird ein echter Klaus ...

Haben Sie geahnt, was es für eine hitzige Diskussion um Ihren neuen Film geben würde?
Schon als ich anfing, war das doch klar bei einem solchen Thema. Schließlich dreht sich der Film nicht nur um die Geschehnisse während der Olympischen Spiele von 1972 in München, sondern vor allem um die darauf folgenden Vergeltungsmaßnahmen. Dadurch werden natürlich eine Menge politisch brisanter Parallelen gezogen. Alles ist sehr komplex, wodurch der Aufruhr für mich überhaupt nicht überraschend kommt.

Wie bewerten Sie selbst die Darstellung und Wertung im Film?
Ich habe eigentlich keine Meinung dazu, da das eine politisch sehr aufgeladene Problematik ist. Ich halte es mit den Worten von Lynn Cohen in der Rolle von Golda Meir. Sie sagt an einer Stelle: "Jede Zivilisation findet es notwendig, über Kompromisse mit ihren eigenen Werten zu verhandeln." Es war nicht überraschend, dass Israel damals, so tragisch die Geschehnisse in München waren, zurückschlagen wollte. Wenn ich Ihnen jetzt ins Gesicht schlagen würde, wäre Ihre Reaktion doch auch, mir eine zu knallen.

Gab es bei den Dreharbeiten nicht viele Diskussionen über das Thema?
Ich habe mich nie mit Steven auf Gespräche eingelassen, die irgendwas mit dem Inhalt des Films zu tun hatten. Ich wollte gar nicht nach tieferen Botschaften oder Ähnlichem suchen. Meine Seele und Energie gehörte beim Dreh der Rolle Avners. 95 Prozent der Gespräche handelten von dem exakten Moment, in dem wir die jeweilige Szene drehten. Steven ist immer sehr konzentriert und detailverliebt. Wir hatten also gar nicht die Zeit, uns mit philosophischen Diskussionen über den tieferen Sinn des Films aufzuhalten.

Hat der Film Sie denn überhaupt nicht verändert?
Ich hatte immer schon eine recht realistisch-pessimistische Sicht auf die weltweite Antiterrorpolitik. Diese Region der Welt hat schon eine sehr schwierige Historie hinter sich. Ich bin damit vertraut und habe mich ja auch schon in anderen Filmprojekten mit solchen Thematiken beschäftigt. Mir war das also alles andere als fremd.

In "Black Hawk Down" spielten Sie einen Soldaten, nun einen Killer. Dabei sollen Sie Schusswaffen doch eigentlich hassen?
Ich kann mit solchen Waffen einfach nichts anfangen. Das liegt daran, dass ich einfach nicht mit diesen Dingern in Kontakt gekommen bin. In Australien kann man sein ganzes Leben verbringen, ohne jemals eine Pistole zu sehen. Ich mag daher auch keine Filme, in denen Gewalt um ihrer selbst Willen gezeigt wird. Aber wenn Schusswaffengebrauch in einer Filmhandlung gerechtfertigt ist, dann habe ich damit keine Probleme.

Sie leben weit weg von Hollywood in Ihrer Heimat Australien: Fluch oder Segen?
Das war mir immer sehr wichtig. Ich könnte keinen klaren Gedanken fassen, geschweige denn eine Entscheidung treffen, wenn ich in den USA leben würde. Ich muss in meinem eigenen Bett darüber schlafen. Das garantiert mir eine Balance in meinem Leben, die mir niemand bieten kann - auch nicht Hollywood. Ich kann verstehen, dass Kameramänner, Produzenten und Regisseure in Los Angeles leben müssen und sich das auch auszahlt. Aber als Schauspieler würde ich das nie in Erwägung ziehen. Dort fehlt einem einfach der Abstand, der Druck ist zu groß. Man wird leicht als Versager abgestempelt, wenn man nicht ständig Engagements hat. Das brauche ich nicht.

Wie beschäftigen Sie sich in der Zeit zwischen Ihren Filmprojekten?Ich habe Kinder und Hobbys - und ein normales Leben. Ich fahre Rennautos. Das tat ich schon, bevor ich Schauspieler war. Außerdem verbringe ich sehr viel Zeit mit meinem Footballteam.

Was verschafft Ihnen den größeren Adrenalinschub: Rennfahren oder das Filmen?
Im Vergleich zu meinem Hobby hat das Filmen rein gar nichts Aufregendes an sich. Dreharbeiten bringen ja schon im Vergleich zur Bühne kaum das Adrenalin zum Kochen. Vor der Kamera zu stehen, hat viel mit Geduld zu tun. Jeder hat eine andere subjektive Meinung von dem, was du gerade für eine Leistung ablieferst und wie es besser klappen könnte. Aber wenn man im Rennauto sitzt, dann gibt es nur die Stoppuhr. Und die hat nur eine klare Meinung. Keine Spezialeffekte, keine Lügen: Platz 1 oder eben Platz 52 ...

Ist Ihr riskantes Hobby nicht unverantwortlich, wo Ihre Kinder doch noch so klein sind?
Ich hatte nur einmal einen Unfall, mich aber dabei nicht sonderlich verletzt. Toi, toi, toi. Ehrlich gesagt, fühle ich mich unsicherer, wenn ich einen Film weit weg von meiner Heimat drehe und von jemandem chauffiert werde, der keine Ahnung hat, wie man richtig fährt. Ich selbst fühle mich sicher, wenn ich die Kontrolle über die Maschine habe.

Sie begannen Ihre Karriere mit Comedy-Serien im Fernsehen. Werden Sie einmal zu diesen Schauspielwurzeln zurückkehren?
Nein, das liegt mir nicht mehr. Aber ich vermisse es sehr, Sketche zu spielen. Der Wunsch danach wird immer besonders groß, wenn ich gerade einen solch schwierigen Stoff wie "München" gedreht habe. Wo bleiben die leichten Stoffe? Aber dann kommt wieder die Lust, das nächste deprimierende Problemthema anzugehen. Das fordert mich einfach mehr.

Begleitet Sie Ihre Familie manchmal zu den Dreharbeiten?
Meine Kinder sind nun fünfeinhalb und dreieinhalb Jahre alt. Bei jedem Film, den ich gemacht habe, waren sie mit dabei - auch bei diesem. Das wird sich jetzt natürlich ändern, weil sie nun in die Schule kommen werden. Ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll. Aber vielleicht drehe ich ein Jahr und balanciere dann das darauf folgende alles wieder aus. Ich halte in dieser Hinsicht nichts von strikten Regeln. Ich möchte flexibel sein und mich meinen Bedürfnissen und den meiner Familie anpassen.

Ihre Familie besitzt offenbar oberste Priorität.
So ist es, aber das hat bisher noch keine meiner beruflichen Entscheidungen beeinflusst. Sicherlich hat sie Einfluss darauf, wie viel ich letzten Endes arbeite, aber nicht, welche Filme ich auswähle.

Ist Ihren Kindern klar, was Sie beruflich machen?
Mein Ältester hat mit seinen fünfeinhalb Jahren mehr Kenntnisse über die Filmwelt als ich mit 20 hatte. Er durchschaut schon sehr gut, was ich mache und wie er das zu bewerten hat. Aber meine Filme werde ich ihnen erst zeigen können, wenn sie erwachsen sind. Schließlich sind die ja alle erst ab 17 oder 18 Jahren freigegeben. Den Comedy-Kram dürfen sie aber schon sehen, obwohl sie sicherlich nicht wirklich verstehen, um was es da geht. Außerdem hat auch mein Großer bei all seinem Durchblick keine Ahnung, wie viele Menschen ich in meinen Filmen schon habe umbringen müssen.

Eric Bana: Schluss mit lustig

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Autor: Von Christoph Huber (Schafenster)
Bron: rp-online.com
Datum: 27.01.2006

Langs verstrekt: Patricia

Eric Bana spielt in Steven Spielbergs "Munich" den Anführer eines Mossad-Rachetrupps. Der australische Comedy-Star ist in Hollywood ein Mann fürs Ernsthafte. Auf den Spuren einer ungewöhnlichen Karriere.

Eric Bana"Eigentlich ziemlich deprimierend" – so bilanziert Eric Bana nicht ohne Ironie die Geschichten seiner Hollywood-Filme. Rechnet man den (rein stimmlichen) Auftritt in "Finding Nemo" nicht mit, ist die Bilanz tatsächlich wenig heiter: Bana gab sein US-Debüt als Elitesoldat in Ridley Scotts Mogadischu-Desaster-Kriegsfilm "Black Hawk Down" (2001), gab für Ang Lee den von Wut, grüner Farbe und Persönlichkeitskonflikten gemarterten Comic-Helden "Hulk" (2003), als Hektor in Wolfgang Petersens Antik-Schinken "Troy" (2004) blühte ihm ein absehbar letales Schicksal – und doch ist die Rolle in Steven Spielbergs Thriller "Munich" die finsterste seiner Karriere. Als Anführer des Mossad-Trupps, der das Massaker an Israels Sportlern bei Olympia in München 1972 rächen soll, durchläuft er eine epische Reise in den Zweifel: Anfangs von seiner Sache überzeugt, wird der Abstieg in moralische Grauzonen zur Seelentortur. Banas Darstellung ist introvertiert, grüblerisch: Ein Mann wird von seiner Mission erdrückt. "Ich werde selbst ganz ruhig, wenn ich zornig bin", hatte er schon seine Charakterisierung des zornigen "Hulk" erklärt. Aber begonnen hat alles eigentlich ganz anders. Ziemlich lustig, nämlich.

Erfolg mit Biersaufen.

Die Ironie in Banas Hollywood-Karriere-Bilanz erschließt sich sofort nur Australiern: Dort lernte man Bana in den 90ern schätzen, als Mitglied der TV-Comedy-Show "Full Frontal", einer Down-Under-Antwort auf "Saturday Night Live". Banas erfolgreichste Kreation: Ein biersaufender Vokuhila-Träger namens Peter (akzentbehaftet als „Poida“ auszusprechen), der Prominenten und Politikern mit unziemlichen Fragen zu Leibe rückte. Die prompt kreierte Solo-Serie wurde schnell abgesetzt, aber Bana hatte einen wichtigen Fan gewonnen: Mark "Chopper" Read, einen der legendärsten Typen seines Kontinents. Der selbst ernannte Australien-Robin-Hood war in den Siebzigern als "Vorkämpfer" gegen andere Kriminelle zu fragwürdigem Ruhm gelangt, und stolz darauf, wesentlich mehr Untaten auf dem Kerbholz zu haben, als den Mord, für den er inhaftiert wurde. Seine im Gefängnis verfassten Bestseller zieren Titel wie "How to Shoot Friends and Influence People". Die Hauptrolle in der Verfilmung seines Lebens traute er nur einem zu: Bana. Der meinte nur "offensichtlich dachte Read, ich bin wahnsinnig genug", legte 15 Kilo zu, ließ sich täglich Ganzkörper-Tätowierungen aufmalen und brachte als "Chopper" (2000) das Publikum zum Toben: Obwohl der Film von einem erklecklichen Maß schwarzen Humors lebt, kam es doch unerwartet, den beliebten TV-Komiker als Kriminellen zu sehen, der unter anderem einen Rivalen im Gefängnis ersticht – und ihm dann höflich eine Zigarette anbietet, während er verblutet.

Der nächste Russell Crowe.

Banas Tour de force als Chopper trug ihm internationale Preise ein – und die Aufmerksamkeit von Produzent Jerry Bruckheimer, der ihn flugs für "Black Hawk Down" verpflichtete. Seither hat Bana die Rollen mit Bedacht gewählt: "Hulk" akzeptierte er nur, um mit Ang Lee zu arbeiten, während er ein Millionen-Angebot für den Action-Kracher "xXx" ablehnte. Ein Film pro Jahr mit einem interessanten Regisseur genügt ihm: Den Rest der Zeit verbringt er lieber mit der Familie. Dem Hollywood-Image als Action-Star und Sex-Symbol entspricht das nicht. Aber Bana nimmt auch das gelassen hin: Als der heute 37-jährige Motorisierungsfetischist als Teenager ein Schuljahr nachholen musste, weil er sich mehr für Autozeitschriften und die Mad Max-Filme mit Mel Gibson interessierte, ahnte er wohl kaum, dass er in die Fußstapfen berühmter Landsleute treten würde. "Wenigstens haben die Leute mittlerweile aufgehört, mich den nächsten Mel Gibson zu nennen, jetzt bin ich schon der nächste Russell Crowe. Hoffentlich heißt es irgendwann einmal auch: der nächste Eric Bana".

Dunkle Tage im September

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"München" von Steven Spielberg kommt in die Kinos Von Jörg Taszman

veröffentlicht: 25.01.06 
Bron: dradio.de/dkultur
Langs verstrekt: Patricia

München 1972
Ein Mitglied der arabischen Terrorgruppe,
die während der olympischen Spiele 1972
israelische Sportler als Geisel nahm. (Bild: AP Archiv)

Steven Spielberg hat sich filmisch mit dem israelisch-arabischen Dauerkonflikt auseinander gesetzt. In "München" geht es um eine Elitegruppe, die Jagd auf die Terrorgruppe "Black September" macht, die während der Olympischen Spiele im September 1972 in München israelische Sportler ermordete. Eric Bana und Hanns Zischler sind die Hauptdarsteller.

Er ist zum ersten Mal in München, der 37-jährige Australier Eric Bana, bekannt aus Filmen wie "Hulk" von Ang Lee oder "Troja" von Wolfgang Petersen. Vor zwei Jahren hatte ihm Steven Spielberg die Rolle des Mossad-Agenten Avner angeboten, der ein fünfköpfiges Spezialteam leitet, dass die palästinensischen Hintermänner des Münchener Attentats von 1972 in Europa liquidieren soll. Im Film ist dieser Avner deutscher Abstammung. Da passt es, dass Eric Banas Mutter aus Deutschland kommt und er selber noch über gewisse deutsche Sprachkenntnisse verfügt:

Eric Bana: "Nun es gab schon einen Punkt in meinem Leben, als ich Deutsch viel besser sprach als jetzt. Aber ich denke, es ist ein Vorteil, einen europäischen Hintergrund zu haben - mein Vater ist Kroate. Jeder, der von ausländischen Eltern abstammt, hat eine ganz andere Perspektive und Sicht auf die Welt. Das ist sehr hilfreich."

Den zweiten Deutschen im Mossad Team spielt Hanns Zischler, eher bekannt aus den Autorenfilmen wie "Im Laufe der Zeit" von Wim Wenders oder den Werken von Rudolf Thomé. International hat er bereits mit Costa Gavras "Amen" gedreht oder den israelischen Film "Walk on Water".

Wie genau Spielberg auf ihn kam, das weiß Zischler nicht. Im Film verkörpert er einen deutschen Juden, der aus Hitlerdeutschland geflohen ist und dann für den Mossad als Schläfer und Fälscher von Dokumenten tätig wird. Dass "München" nun zunächst fast nur politische Diskussionen auslöst, erregt Zischler.

Hanns Zischler: "Ich finde es allmählich etwas grotesk und bequem, nur immer über die Politik zu reden, die angeblich dort nicht, oder angeblich auf 'ne falsche Weise, wie auch immer, betrieben wird. Ich finde es deshalb wohlfeil, weil man kann natürlich sagen, er hätte doch…und warum hat er nicht das gemacht. Man soll über den Film erstmal reden. Der Film hat für mich etwas absolut Ungewöhnliches. Nicht wegen des Themas allein. Es ist ein Thriller- plus X. Er geht über den Thriller an einem ganz bestimmten Punkt ganz entscheidend und absichtsvoll hinaus… Er ist auch nicht angelegt wie ein Costa Gavras Film, der sagt ich habe sofort eine klare Botschaft: die Schafe und die Böcke. Das macht er nicht. Es ist ein Film, der im Zweifel stehen bleibt."

Wohl kaum jemand im Weltkino ist so einflussreich und erfolgreich wie Steven Spielberg. Lange hat er mit sich gerungen, einen Film zu diesem Thema zu drehen und sich auch mit seinen Eltern und seinem Rabbiner beraten. Nun wird er von arabischer Seite angegriffen, als Jude einen "Pro Israel"-Film gedreht zu haben, während radikale Juden und Amerikas Rechte Spielberg persönlich massiv kritisierten, weil er auch die Terroristen nicht als eindimensionale Monster zeigt.

Spielberg geht ernsthaft der Frage nach, was Rache, was Gegengewalt provoziert und ob sich so der Teufelskreis der Gewalt nicht nur weiter verschlimmert. Dabei hat Steven Spielberg mit seinem Drehbuchautor Tony Kushner klar gestellt, dass ihn die aktuellen Ereignisse in München und danach nur inspiriert haben. München ist eine Fiktion, auch wenn Eric Bana den Mossad-Agenten getroffen hat, den er nun verkörpert. Wie war das Verhältnis zwischen Fiktion und Fakten?

Eric Bana: "Nun, einige Fakten kann keiner bestreiten. Es gab elf israelische Sportler, die ermordet wurden. Es ist ein Fakt, dass es daraufhin eine Antwort gab und Terroristen getötet wurden. Wie man nun diese Fakten verknüpft, ist eine andere Sache. Waren es zwei oder vier Männer, gelbe oder rote Autos. Kugeln oder Bomben? Das ist historisch gesehen natürlich nicht unwichtig, aber für unseren Film und die Fragen, die er aufwirft, ist das irgendwie irrelevant. Hier hat sich das Kino Freiheiten erlaubt und dieser Film trägt eine Verantwortung als Thriller und Film und ist keine Dokumentation…"

Politische Diskussionen innerhalb des Teams habe es kaum gegeben, sagt Bana, der an der Arbeit mit Steven Spielberg vor allem schätzte, wie spontan und kollegial sich der amerikanische Ausnahmeregisseur verhielt. Bana legt Wert darauf, dass Spielberg kein verrücktes, einsames Genie auf seinem Regiestuhl ist. Zischler erzählt, dass bei Spielberg die Kameras immer laufen und Szenen bei kleineren Korrekturen sofort noch einmal gespielt werden.

Und doch wird nicht unnötig viel Material verdreht. Mehr als acht bis zehn Einstellungen einer Szene drehen Spielberg und sein polnischer Kameramann Janusz Kaminski nicht. Das hat Zischler beeindruckt, ebenso wie der Umstand, dass Spielberg immer offen ist für Angebote der Schauspieler. Gedreht wurde hauptsächlich auf Malta und in Budapest. Auf die Frage, warum man wohl bewusst nicht in München oder Israel drehte, reagiert Zischler zunächst sehr erheitert.

Hanns Zischler: "Bei der Aufgeregtheit mit der sozusagen die israelischen Medien nach dem Film reagiert haben, können sie sich vorstellen, was passiert wäre, wenn Spielberg darum gebeten hätte, dort einen Film zu drehen, möglichst unter Umgehung der Öffentlichkeit. Das ist einfach ausgeschlossen… Es ist einfach so, bei einem Team von 250 Leuten muss ich mich fragen, was kann ich aus Malta machen, was kann ich aus Budapest machen. Es ist gelungen, das ganze südliche Mittelmeer in Malta abzubilden und das nördliche plus den Kontinent in Budapest abzubilden. Warum nicht in Deutschland, liegt auf der Hand: München 1972 hätte ich erst wieder neu anmalen müssen. Ich hätte die Bäume kleiner machen müssen, alles das. Das sind 33 Jahre. Das geht nicht. Also muss ich mir irgendwie ein München selber erschaffen."

Nicht nur, weil "München" hauptsächlich in Europa gedreht wurde, ist dieser Film Spielbergs bisher wohl "europäischster" Film. Das liegt nicht zuletzt an der Auswahl der Darsteller: Neben Bana und Zischler spielen auch der nächste Bond-Darsteller Daniel Craig mit und die Franzosen Mathieu Kassovitz, Michael Londsdale und Valeria Bruno Tedeschi. Auch jüngere deutsche Stars wie Moritz Bleibtreu oder Meret Becker glänzen in ganz kleinen Rollen und reden sogar in der englischen Originalfassung des Films meist nur Deutsch. Es ist auch diese Professionalität, selbst für kleine Rollen mit bekannten Darstellern zu arbeiten, die eine Steven-Spielberg-Produktion auszeichnet.

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